Jammern auf SEHR hohem Niveau

Ich kann dieses Gegreine, von wegen wie schlecht doch alles in Deutschland sei, nicht mehr hören. Und das pünktlich zum Geburtstag des weltweit vorbildlich erachteten Erfolgsmodells „Grundgesetz“.

Hier wir gemeckert über deutsche Medien? HALLO? Deutschland hat weltweit den mit Abstand differenziertesten und unabhängigsten Journalismus, den es auf der ganzen Welt gibt.

Habt ihr euch schon mal die während der Bush-Zeiten gleich geschaltete amerikanische Presse angeschaut oder auf den allgegenwärtigen Boulevard-Blätterwald der Engländer geschielt? Gegen SUN&Co ist die BILD-Zeitung eine Lektüre für Bildungsbürger.

Hier soll alles drunter und drüber gehen? Hier? In Deutschland? Wo sich Menschen aufregen, wenn der Zug 2 Minuten zu spät kommt oder (zurecht) wenn jemand Papier auf die Straße wirft?

In Afrika haben Züge tageweise Verspätung, wenn sie denn überhaupt kommen. Es gibt Länder auf der Welt, da muss man Angst haben, auf die Straße zu gehen, weil man entweder von schrottreifen Autos überfahren, marodierenden Banden erstochen oder Umweltgiften dahin gerafft wird.

Die Mehrheit der Menschheit wäre heilfroh, als kleiner Facharbeiter in Deutschland zu leben, mit Mitbestimmung, Rente, Krankenversicherung und 28 Tagen Urlaub.

In meiner Wohnung würden in China mindestens 20 Leute leben.

Ich kann mich auf die Straße stellen und schreien, dass die Kanzlerin doof sei. Die meisten Passanten würden lachen, andere klatschen. In Russland würde ich nicht einmal den nächsten Morgen erleben.

Meine Frau kann im kurzen Rock über die Straße gehen, in Afghanistan würde sie von einem selbsternannten Religionswächter blutig gepeitscht werden.

In Deutschland beschweren sich Teenager über teure Handy-Verträge, in Nord-Afrika würde man meiner kleinen Tochter die Klitoris abschneiden.

Also, verdammt noch mal, hört endlich auf zu jammern.

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Jammern auf SEHR hohem Niveau

Wer soll es machen? Keiner!

Nun, da Horst in den Sack gehauen, die Flinte ins Korn geworfen hat und wie ein Warmduscher Servus sagt, fragen sich alle, wer soll es machen.

Ich finde, keiner soll es machen!

Das Amt des Bundespräsidenten (oder -präsidentin) ist überflüssig.

Zuletzt taugte es nur noch zur Inthronisierung eines Grußonkels. Der Bundespräsident heißt die Staatsgäste zweiter Klasse willkommen. Oder er reist in Länder mit weltpolitisch geringer Bedeutung und trifft dort die anderen nutzlosen Oberhäupter: Könige, Kaiser und Päpste.

1949 dachten sich unsere Eltern des Grundgesetzes, wir bräuchten eine Instanz noch über Regierung und Parlament. Das Amt ist geboren aus mangelnden Vertrauen in die junge deutsche Demokratie. Scheinbar reichte die Phantasie nicht aus, sich eine Verfassung ohne Staatsoberhaupt und ohne Restmonarchie vorzustellen. Eine Erinnerung an den Kaiser als wohlwollende, unabhängige Institution, die keine Parteien kennt, sondern nur deutsche. Mithin ein Händchenhalter aller Deutschen auf dem dunklen Pfad der Irrungen und Wirrungen der Politik.

Und die vielleicht wichtigste Begründung gegen das Amt: der Bundespräsident ist nicht vom Volk gewählt. Er ist (obwohl immer das Gegenteil betont wird) eben NICHT unabhängig. Er war bisher immer das Kind einer machtpolitischen Entscheidung, gewählt zur Hälfte aus handverlesenen Prominenten.

So gesehen ist es kein Wunder, dass dieses Amt so wichtig ist wie das eines Religionsführers in einem laizistischen Staat: nicht vom Volk gewählt, ohne Portefeuille, schlicht überflüssig.

Die Wahl eines neuen Bundespräsident leitete in Deutschland fast immer historische Regierungswechsel ein. Ein Fels in der Brandung, eine Konstante, eine Leitfigur sieht anders aus.

Wir brauchen keinen, der die Soldaten in die Kasernen zurückruft wie in Spanien ’81. Deutschland 2010 ist nicht Weimar 1919. Und die ewigen Ruckreden mag auch keiner mehr hören.

Die Vereidigung der Regierung kann der Bundestagspräsident oder der Alterspräsident übernehmen.

Aus Schloss Bellevue können wir ein Hotel für Staatsgäste machen. Zur überparteilichen und rechtsstaatlichen Kontrolle haben wir die Opposition, das Bundesverfassungsgericht und die freie Presse.

Und wenn es einer machen muss, wenn wir denn wieder einen Kaiser brauchen, dann meinetwegen Franz Beckenbauer.

Wer soll es machen? Keiner!

CDU-Mitglied auf Steuersünder-CD

Nächtlicher Anruf in der Staatskanzlei

Das Telefon klingelt mehrere Male.

Auftritt Angela M.

Angela M.: „Ja, doch, ich komme schon.“

Angela M. nimmt ab

Angela M.: „Hallo?“

Mister X: „Grüß dich, Angela, hier ist der X.“

A: „Wer?“

X: „Ortsverband Württemberg-Nordbaden. Wir haben uns doch bei deinem letzten Wahlkampfauftritt hier kennen gelernt.“

A: „Ach so, ja ja. Wie geht es den Kindern.“

X: „Gut, gut, aber darum rufe ich nicht an. Ich hab‘ da ein kleines Problemschen.“

A: „Was denn?“

X: „Du, ich sag’s gerade heraus, ich glaube ich bin vielleicht mit auf dieser CD.“

A: „Welche CD?“

X: „Na, die worüber alle Welt jetzt spresche tut. Die mit de‘ Steuersünder.“

A: „Oh“

X: „Nahaja, esch war halt ein schweres Jahr. Und da dachte ich, ich bring mal was auf die Seite. Du, nichts großes. Aber a bissl‘ was is‘ scho.“

A: „Hm, und nu?“

X: „Naja, und da dacht‘ isch mir, rufst du mal die Angela an und sprichst mal mit ihr.“

A: „Und was soll ich jetzt tun?“

X: „Kannste nicht de‘ Wolfgang a bissl‘ auf den Zahn fühlen. Schließlich ist doch nicht mehr dieser scheiß Soz Finanzminister. Du, der Wolfgang soll das Teil eben einfach nich‘ kaufe.“

Angela M. überlegt.

X: „Biste noch dran? Oder wer’n wir abgehört? Oh, Oh, Scheiße!“

A: „Nein, nein, bleib mal ganz ruhig. Und mach dir mal keinen Kopf. Der Guido hat vorhin schon angerufen. Der wollte das selbe wie du. Ich schau mal, was ich machen kann.“

X: „Danke, Angela, danke.“

A: „Du, aber versprechen kann ich nichts. Aber würd‘ mich nicht wundern, wenn er selbst, also der Wolfgang, auf der CD ist.“

Angela M. kichert wie ein kleines Mädchen.

A: „Und zur Not sagen wir halt, das wäre mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, von wegen Datenschutz und so. Das kriegen wir schon hin.“

X: „Danke Danke, Du.“

A: „Und nächste Woche ist eh wieder eine neue Sau dran, die durchs Dorf getrieben wird. Die neue von der Leyen, wie heißt die nochmal, achja, genau wie der Präsident, die Köhler, mit der war die Presse ja bisher lammfromm, obwohl die ja von nichts ’ne Ahnung hat. Aber dafür sieht se‘ halt gut aus. Ich glaub‘ ich schick dem Kai* mal ’ne SMS. Der soll mal ein Auge auf die werfen. Das lenkt auch prima von allem anderen ab. Damit kommen wir mindestens bis zur NRW-Wahl. Vielleicht sogar bis zur WM.“

X: „Aber die isch doch von uns.“

A: „Soll ich vielleicht nicht?“

X: „Oh, nein, doch, doch. Tu, was Du für richtig hältst.“

A: „Gut, dann wäre ja alles klar. Sonst alles okay? Ich müsste jetzt mal los, mein Badewasser wird kalt und ich steh hier nackig, nur mit ’ner Badehaube auf.“

Angela M. kichert wieder wie ein kleines Mädchen.

X: „Nein, nein, das war’s schon. Du, wann kommst denne mal wieder vorbei?“

A: „Wie wäre es denn mit der Weinlese?“

X: „Du, prima, ich mach das klar. Meine Sekretärin ruft deine an, okay?“

A: „Gut, und sag ihr bitte, das verbinden wir mit was geschäftlichen. Sonst zicken die Aufseher vom Fahrdienst wieder.“

X: „Prima. Mach’s gut Angela“

A: „Du auch.“

Angele M. legt auf.

A: „Also, das war schon der vierte heute… Thomas**, hol mir mal die Badebürste, die mit dem langen Stiel!“


* Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild-Zeitung.

** Thomas de Maizière, früher Chef des Bundeskanzleramts, jetzt eigenlich Innenminister

CDU-Mitglied auf Steuersünder-CD

Jammern auf SEHR hohem Niveau

Ich kann dieses Gegreine, von wegen wie schlecht doch alles in Deutschland sei, nicht mehr hören. Und das pünktlich zum Geburtstag des weltweit vorbildlich erachteten Erfolgsmodells „Grundgesetz“.

Hier wir gemeckert über deutsche Medien? HALLO? Deutschland hat weltweit den mit Abstand differenziertesten und unabhängigsten Journalismus, den es auf der ganzen Welt gibt.

Habt ihr euch schon mal die während der Bush-Zeiten gleich geschaltete amerikanische Presse angeschaut oder auf den allgegenwärtigen Boulevard-Blätterwald der Engländer geschielt? Gegen SUN&Co ist die BILD-Zeitung eine Lektüre für Bildungsbürger.

Hier soll alles drunter und drüber gehen? Hier? In Deutschland? Wo sich Menschen aufregen, wenn der Zug 2 Minuten zu spät kommt oder (zurecht) wenn jemand Papier auf die Straße wirft?

In Afrika haben Züge tageweise Verspätung, wenn sie denn überhaupt kommen. Es gibt Länder auf der Welt, da muss man Angst haben, auf die Straße zu gehen, weil man entweder von schrottreifen Autos überfahren, marodierenden Banden erstochen oder Umweltgiften dahin gerafft wird.

Die Mehrheit der Menschheit wäre heilfroh, als kleiner Facharbeiter in Deutschland zu leben, mit Mitbestimmung, Rente, Krankenversicherung und 28 Tagen Urlaub.

In meiner Wohnung würden in China mindestens 20 Leute leben.

Ich kann mich auf die Straße stellen und schreien, dass die Kanzlerin doof sei. Die meisten Passanten würden lachen, andere klatschen. In Russland würde ich nicht einmal den nächsten Morgen erleben.

Meine Frau kann im kurzen Rock über die Straße gehen, in Afghanistan würde sie von einem selbsternannten Religionswächter blutig gepeitscht werden.

In Deutschland beschweren sich Teenager über teure Handy-Verträge, in Nord-Afrika würde man meiner kleinen Tochter die Klitoris abschneiden.

Also, verdammt noch mal, hört endlich auf zu jammern.

Jammern auf SEHR hohem Niveau