Wulff – Ein grauer Parteisoldat wird Bundeswurmfortsatz

Kann man sich eine langweiligere, konturlosere und sinnraubendere Person als Bundeswurmfortsatz, Pardon, Bundespräsident vorstellen als den biederen Herrn Christian Wulff aus Niedersachsen?

So brav, bieder und langweilig wie eine holländische Gewächshaustomate. So öde wie Niedersachsen selbst. Da muss Mama Merkel keine Angst haben, dass er aufmuckt. Wulff wird wahrscheinlich sogar eine Genehmigung einholen, bevor er aufs Töpfchen geht.

Wulff ist der nächste Tropfen ins Fass der Parteiverdrossenheit.

Eine abgekartete Sache, eine „Bundesversammlung“ – das klingt wie Dreißigjähriger  Krieg – aus Parlamentariern und handverlesenen sonstigen Stimmviech, das seine Meinung der Parteiräson unterstellen soll.

Mir wird übel.

Wulff – Ein grauer Parteisoldat wird Bundeswurmfortsatz

Wer soll es machen? Keiner!

Nun, da Horst in den Sack gehauen, die Flinte ins Korn geworfen hat und wie ein Warmduscher Servus sagt, fragen sich alle, wer soll es machen.

Ich finde, keiner soll es machen!

Das Amt des Bundespräsidenten (oder -präsidentin) ist überflüssig.

Zuletzt taugte es nur noch zur Inthronisierung eines Grußonkels. Der Bundespräsident heißt die Staatsgäste zweiter Klasse willkommen. Oder er reist in Länder mit weltpolitisch geringer Bedeutung und trifft dort die anderen nutzlosen Oberhäupter: Könige, Kaiser und Päpste.

1949 dachten sich unsere Eltern des Grundgesetzes, wir bräuchten eine Instanz noch über Regierung und Parlament. Das Amt ist geboren aus mangelnden Vertrauen in die junge deutsche Demokratie. Scheinbar reichte die Phantasie nicht aus, sich eine Verfassung ohne Staatsoberhaupt und ohne Restmonarchie vorzustellen. Eine Erinnerung an den Kaiser als wohlwollende, unabhängige Institution, die keine Parteien kennt, sondern nur deutsche. Mithin ein Händchenhalter aller Deutschen auf dem dunklen Pfad der Irrungen und Wirrungen der Politik.

Und die vielleicht wichtigste Begründung gegen das Amt: der Bundespräsident ist nicht vom Volk gewählt. Er ist (obwohl immer das Gegenteil betont wird) eben NICHT unabhängig. Er war bisher immer das Kind einer machtpolitischen Entscheidung, gewählt zur Hälfte aus handverlesenen Prominenten.

So gesehen ist es kein Wunder, dass dieses Amt so wichtig ist wie das eines Religionsführers in einem laizistischen Staat: nicht vom Volk gewählt, ohne Portefeuille, schlicht überflüssig.

Die Wahl eines neuen Bundespräsident leitete in Deutschland fast immer historische Regierungswechsel ein. Ein Fels in der Brandung, eine Konstante, eine Leitfigur sieht anders aus.

Wir brauchen keinen, der die Soldaten in die Kasernen zurückruft wie in Spanien ’81. Deutschland 2010 ist nicht Weimar 1919. Und die ewigen Ruckreden mag auch keiner mehr hören.

Die Vereidigung der Regierung kann der Bundestagspräsident oder der Alterspräsident übernehmen.

Aus Schloss Bellevue können wir ein Hotel für Staatsgäste machen. Zur überparteilichen und rechtsstaatlichen Kontrolle haben wir die Opposition, das Bundesverfassungsgericht und die freie Presse.

Und wenn es einer machen muss, wenn wir denn wieder einen Kaiser brauchen, dann meinetwegen Franz Beckenbauer.

Wer soll es machen? Keiner!