Günter Grass kritisiert junge Kollegen

„Die Massenproduktion wird sich reduzieren, und das Buch wird wieder das Ansehen eines aufbewahrenswerten, vererbbaren Gegenstandes erlangen.“ Er selbst habe mit seinem Verleger abgesprochen, das keines seiner Bücher für Lesegeräte wie das iPad freigegeben werde, „bevor ein die Autoren schützendes Gesetz wirksam wird“. SPIEGEL

Ja, genau, das ist die richtige Einstellung, Herr Grass.

Lobenswert. Das Urheberrecht muss dahingehend gestärkt werden, dass auch weiterhin Bücher ein hochpreisiges Gut bleiben und digitale Ausgaben müssen dank Buchpreisbindung auf jeden Fall mindestens so teuer bleiben wie die gebundene Ausgabe.

Wo kämen wir denn dahin, wenn man demnächst anfängt, die Bücher von Böll, Grass, Walser etc. für 99 Cent digital zu verramschen? Am Ende würden doch tatsächlich mehr Leute die Werke lesen.

Und das kann doch nun wirklich nicht im Sinne der Autoren sein.

Ich fände den Gedanken absolut unerträglich, wenn demnächst Leute anfangen würden, „Die Blechtrommel“ oder „Der Butt“ in der U-Bahn auf ihren Eipätts zu lesen.

Ich würde sogar vorschlagen, die Auflagen noch weiter zu begrenzen, die Rechtsprechung noch stringenter anzuwenden und somit die bedauerliche Tendenz zum Zweitbuch in deutschen Wohnzimmern endgültig auszubremsen.

Dem kleinen, deutschen Arbeiter und Hartz4-Empfänger muss ein Roman von Konsalik oder Stephen King im Regal absolut genügen. Herr Grass hat recht, ein neues Buch pro Generation, das dann weiter vererbt wird, ist absolut ausreichend. Zuviel Lesen ist auch nicht gut, die Leute sollen lieber arbeiten.

Das Recht auf mehr Bücher darf nur einer guter verdienenden, ihrer gesellschaftlichen Vorbildrolle bewussten Führungselite gegeben werden.

Büchereien sind natürlich keine Lösung. Denn diese schmälern die Einkünfte der Autoren. Darum halte ich es für eine sehr begrüßenswerte Entwicklung, dass die Sozialpolitiker in den letzten Jahren dazu übergegangen sind, Gebühren für das Entleihen zu erheben.

Denn damit wird die Leih-Schwelle erhöht und Leute, für die diese Institutionen gedacht sind, die sich keine Bücher leisten können, werden vom Leihen wirksam abgehalten.

Somit würden auch diese – verzeihen Sie den Ausdruck – parasitären Bibliotheken, die ja ursprünglich nur dazu dienten, das Volk ans Lesen heranzuführen, endlich von der Bildfläche verschwinden. Es kann nicht sein, dass durch Bibliotheken die Einkünfte von Autoren, Verlagen, Druckereien etc. geschmälert werden. Denn schließlich leben wir, Gott sei es gedankt, nicht mehr im Sozialismus.

Denn Lesen können wir ja jetzt alle. Für Arbeitsanweisungen, Zeugnisse und Betriebsanleitungen reicht es allemal. Und wer nicht lesen kann, der braucht auch keine Bibliotheken.

Ich möchte nochmal betonen, dass schöngeistige Literatur ausschließlich einer Bildungselite vorbehalten bleiben sollte.

Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.

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