Die verheuchelte Gesellschaft, wenn der Schein das Sein bestimmt

Rennfahrer, die Millionen gewinnen bedanken sich nach einem Sieg beim Team bis hinab zur Putzfrau. Nur ein Automatismus? Politiker sprechen immerzu von Wählerinnen und Wählern, entfinden aber nichts dabei Sozialleistungen zu kürzen und Spitzensteuern zu senken. Schimpfwörter werden im Radio und Fernsehen ausgeblendet (auch in Deutschland), aber Internetpornos sind frei verfügbar. Die Deutsche Bahn verkündet Jahr für Jahr, dass der Service nachweislich besser geworden sei, obwohl jeder, der die Bahn kennt und nutzt, das Gegenteil feststellt.

Was ist nur los mit dieser Welt?

Irgendwann in den 90ern hat es mit dem Neusprech des Politisch Korrekten angefangen. Natürlich schwappte es aus den USA hinüber, dem Land der kriegsbesessenen Frömmler, die mehrheitlich immer noch die Bibel wörtlich nehmen. Auf einmal redete jeder Politiker nur noch von Wählerinnen und Wählern, so als ob es noch ein drittes Geschlecht gäbe, von dem es sich abzugrenzen gälte. Und als ob es möglich sei, die Gleichberechtigung von Mann und Frau quasi über Nacht einzig durch ein „innen“, das jetzt an jedes Hauptwort gepappt wird, zu erringen.

Wir haben uns gesellschaftlich dazu durchgerungen, nicht mehr die unbequeme Wahrheit zu sagen und nehmen dafür alles als gegeben hin. Es kann nicht sein, was nicht sein darf, und es wird nicht sein, was nicht ausgesprochen wird. So kann man sich alles schönreden. Im Geiste einer auferzwungenen Toleranz und eines willfährigen Verständnisses gegenüber alles und jedem ist die offizielle Sprache zu einem stumpfen Werkzeug geworden.

Genauso gut könnte man auch schweigen.

Nichts Gesprochenes hat mehr bestand. Man kann lügen, behaupten und im gleichen Augenblick das Gegenteil tun. Alles wird, alles ist beliebig.

Schon Adenauer wusste zu sagen „Wat jeht mich mein Geschätz von jestern an?“. Heute warten wir nicht einmal mehr auf das Morgen.

Politiker geben Fehler nur noch scheibchenweise zu.

Jedes gesprochene Wort eines Politikers kann nicht nur, sondern muss im nächsten Atemzug schon angezweifelt werden. Obwohl es scheint, als glaubten diese Leute ihre Lügen. Das Kauderwelsch hat die Synapsen in ihren Hirnen schon so verdrahtet, das die Lüge umschifft wird. Kein Wunder, dass man solchen Leuten nicht mit moralischen Maßstäben – schon gar nicht mit ihren eigenen – kommen kann, denn sie sehen ihre eigenen Lügen nicht, selbst wenn man sie mit der Nase drauf stößt.

Schaut euch die Katholische Kirche an: die größten Moralaposteln stellen sich als die größten Schweine heraus. Und werden sie erwischt, treten sie zurück, um Schaden von der Kirche abzuwenden und nicht aus Scham.

Duckmäuser in Unternehmen machen Karriere, solange sie nur jedes Problem negieren und rechtzeitig den Posten verlassen, bevor der durch ihre Entscheidungen hervorgerufene Einschlag erfolgt.

Aber auch das wird einmal ein Ende haben.

Ich freue mich schon drauf, wenn das Pendel wieder in die Gegenrichtung schwingt. Denn das wird es tun. Wenn Sprache wieder echt und schroff und genau ist. Wenn Leute wieder an ihren Aussagen gemessen werden können. Wenn ein X nicht mehr ein U ist. Diese Zeit wird wieder kommen und dann werden all die glattpolierten Warmduscher mächtig Hosenflattern bekommen.

Dazu passt: http://de.uncyclopedia.org/wiki/Political_correctness

Die verheuchelte Gesellschaft, wenn der Schein das Sein bestimmt

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