Ich hasse Karneval

Ich habe einen Traum. Stell dir vor, es ist Karneval in Deutschland und keiner geht hin.

Aber leider muss ich wieder einmal feststellen, dass es wirklich nur ein Traum ist. Es ist 2010 und der Albtraum Karneval geht immer noch weiter. Er ist nicht auszurotten.

Heute früh schalte ich das Fernsehen an und was sehe ich? Tipps, wie man sich aus billigen Utensilien ein lustiges (Haha!) Kostüm schneidert. Da wurde ein zum Helm umfunktioniertes Küchensieb mit aufgeklebten Waschmopp und Stahlwolle gezeigt, Motto „Putzteufel“. Mein Gott, kann die Menschheit noch tiefer sinken? Selten so gelacht.

Furchtbar, das Wochenende zuvor war schon voll mit den ersten Karnevalssitzungen. Was für ein kranker und unlustiger Scheiß. Du kannst die Uhr danach stellen: bis zum alljährlichen Höhepunkt am Rosenmontag werden alle willfährigen Sender zugebombt werden mit einhunderprozent unlustigen Karnelvalsstunkbüttenredensitzungensscheiße.

Büttenreden, Sessionen, Paraden, alles militärisch organisierter Schwachsinn. Und damit auch jeder mitbekommt, dass es witzig sein soll, gib es nach allen drei Sätzen ein lautes tatah tatah tatah…

Es ist mir unverständlich, dass es auch nur einen Menschen geben kann, der sich daran verlustiert. Sollte tatsächlich jemand vermuten, dass deutsche Humor haben, so kann er sich hier eines besseren belehren lassen. Die ältesten Witze werden dort reanimiert, gepudert und wieder auf die lahmen Beine gestellt

Denn Karneval ist ungefähr so lustig wie eine Zahnwurzelbehandlung oder die Beerdigung deines Lieblingshaustieres.

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Ich hasse Karneval

7 Gedanken zu “Ich hasse Karneval

  1. Anna schreibt:

    Ich danke euch allen für die erleichternden Karnevalsverrisse auf der ganzen Ebene! Ich lebe als geb. Norddeutsche in einer großen Stadt in NRW und erlebe gerade meine größte Beziehungskrise, weil mein rheinl. Freund sich beschwert, ich habe nach 3 Stunden Karnevalsball (irre laut, „Hölle-Hölle-Gegröhle und Gestampfe statt wirklichem Tanzen) nicht lange genug durchgehalten; sei also (wenn auch nicht direkt ausgesprochen) so eine Art Schwachmatikerin. Seltsam, wo er doch in Nicht-Karnevalszeiten eher schüchtern, gute-Musik-liebend und intellektuell ist. Mutieren denn alle Rheinländer an Karneval zu komplett andersartigen Wesen ??? Wer von Euch macht ähnliche Erfahrungen ?

  2. Christian Himmes schreibt:

    Eure Diskussion hat mich nachdenklich gemacht…

    Karneval – ERKENNE JETZT AUCH FÜR DICH DEN VORTEIL!

    Das Fest der Hässlichen. Gestern war dein Gesichts- Erker noch einen Anruf beim RTL2-Redaktionsteam von „The Swan- endlich schön“ wert, heute, wo andere unter überteuerten krebserregenden Gummimasken schwitzen, hast du auch mal was zu lachen.

    Überhaupt ist alles toll.
    1. Scheiß Fusel: Toll.
    2. Scheiß Leute: Toll. (weil 1.)
    3. Scheiß Musik: Toll. (weil 1.)
    4. Scheiß Wetter: Toll. (weil 1.)
    5. Scheiß Sex: Toll (weil chemische Reaktion aus 1 gefolgt von 2)

    Und über den ungeplanten Nachwuchs kommt man spätestens hinweg, wenn man bei einem Kölsch feststellt, dass man unter die Special Forces von „an Rosenmontag, bin ich geboren“ fällt. Irre.

    Wenn deine Tochter beim Buchstabierwettbewerb wieder mal verkündet, dass sie sowieso lieber Stripperin im neuen 50-Cent-Video werden möchte, weil sie erneut samt ihrem T9-funktionstüchtigen Handy disqualifiziert wurde, hat sie an Karneval freiwirtschaftliche Probearbeitschancen. Jetzt kann sie mal der Welt zeigen, was sie drauf hat! Pinke Plüschohren runden das Kostüm aus Minirock und Crack-Huren-Make-Up perfekt ab und haben schon so manches Taschengeld beim Schuheputzen aufgebessert. Mutti hats ihr mit ihrem Waschweiber-Club aus tortenbackenden Menopausen-überbrückenden Eierlikördrosseln vorgelebt, während Vati sich woanders die Schlappen polieren lässt.
    Gut, dass sie noch auf alte Familienbräuche Wert legen.

    Ein kotzendes Kind, ist kein hungriges Kind. Haben sie doch letztlich genug mit ihren eigenen Saufnachwehen zu kämpfen.

    Nichts ist mehr problematisch, nein Probleme werden sogar gelöst, wenn aus einem Corso aus Treckern eine ganze politische Frustrationswelle mit Reimen à la „Und krieje ma uch HartzIV – et reischt immer noch für en Bier“ oder „Killt uns auch die Wirtschaftskriese, dann popp ich die Tippse halt auf der Wiese.“ anrollt. Das beeindruckt sicher sogar Angela Merkel insoweit, mit uns ein Schnäpschen zu pitschen. Vor allem weg hat der Wagenbau aber mit Ehre zu tun. Bei kilometerlangen Standgas-Intervallen von 1,40 Euro pro Dieselliter wird man wird als Steuerzahler nochmal wahr genommen! Man kann sich Cäsar-gleich erheben! Über dem Volk sprechen! Endlich kann man triumphierend nach monatelanger Feierabendbastelei auf finanziell und handwerklich aufwändigen Pappmaché-Holz-Konstruktionen Bonbons schleudernd verkünden: Alaaf! (Was wahrscheinlich aus dem Kölschen kommt und so viel wie „Alles Affen“ bedeutet, aus molekularen Zusammensetzungsirrtümern aber eine Rückkopplung an die versoffenen Hirnzellen schmettert und im Gehirn als „DAS HABEN WIR GESCHAFFEN!“ widerschallt.) Ein echter Hans-Zimmer-Orchestermoment, der schon so einige räudige Bären und so manche feuchte Blumenwiese zum Glücksheulen brachte. Spätestens bei Brunner & Brunners „Wir sind alle über 40“ bleibt kein Auge trocken, und sämtliche Wagenbauer und die, die davon gesprochen haben, liegen sich in den Armen. Rührend. Da soll mal einer sagen, Deutschland hätte zu wenig unentgeltliches Ehrenamtspotential.

    Wo wir beim Thema wären: Diese Scheiß-Plackerei! Dein Chef sagt dir per Du, das der beste Mitarbeiter seit eh und je natürlich du bist, und nur DU ALLEIN, er bezahlt dir deinen gesamten Kappensitzungsaufenthalt plus Familie, um dir nach Aschermittwoch wieder den Hammer an den Kopf zu werfen. DU BIST DER EINZIG BRAUCHBARE! Diese Lobestirade sagt er übrigens auch den 300 Jecken, die nicht in seinem Betrieb versklavt sind, und krönt das Ganze mit einer fünfhundert-Euro-schweren Killepitsch-Runde an alle wildfremden Freunde im Saal, von denen 30 Prozent ein Gerichtsverfahren wegen ausstehender Zahlungen für seine Firmenleistungen am Arsch kleben haben. Nun, jeder birgt seinen persönlichen Grund zum jubilieren im Stillen.

    Aber auch die Menschen, die einem tatsächlich auch den Rest vom Jahr liebkosend in die Arme fallen, spielen zu dieser wunderbaren 5. Jahreszeit eine Rolle. Und das ist alles andere als der 2. Frühling, wenn deine Verlobte auf dem Schoß deines als Fakir verkleideten Schuldnerberaters sitzt und sich die Python zeigen lässt. Du hast nicht übel Lust dir den Ninja, das Walroß und den bärtigen Gewichtsheber zu krallen, um eine Massenschlägerei anzuzetteln, bis du merkst, dass Letzterer zum Team der Bedienungsdamen gehört dir zum Glück noch ein Bier vorbeibringt.

    Gott sein Dank übernimmt just in diesem Moment deine väterliche Aufsichtspflicht ein Rettungswagen und beaufsichtigt deinen Filius für die nächsten Stunden in der Alkoholvergiftungsstation. Da ist er auch unter seinen Schulkollegen. Das ist auch besser als unter uns Großen. Glücklicherweise hast du als mit 2,7-Promille gesegneter noch nicht krankenhausreifer Vater genug Übung und fällst keineswegs unter der biologischen Alkoholausdünstungskolonie auf, den ein merkwürdig verkleideter Obercooler im Ledermantel „mit einem Streichholzstrich problemlos in die Luft jagen könnte. Allemann.“ Er stellt sich als wahrer Sportsfreund raus, der seine echte Winchester für eine Weile von seinem Amokläuferkostüm entbehren kann, damit du dich um deine Alte kümmern kannst, zumindest so lange bis in 3 Stunden die Gesamtschule öffnet, wo er sie für einen letzten Besuch der Schulklasse deines Sohnes geladen zurück benötigt. Glücklicherweise wird diese dann in geschlossener Gruppe noch auf der Ausnüchterungskabine schlummern.

    Da deine Alte (die in ihrem beinfreien Teufelchenkostüm mit jedem deiner prickelnden Ernüchterungsschübe mehr und mehr wie eine Blutorange mit Hörnern aussieht) sich ad hoc für Scheidung entschieden hat, um dem kahlköpfigen Schulden-Fakir lasziv zu „Ich hab 3 Haare auf der Brust“ ihre Durchbrennpläne ins Ohr zu rülpsen, wirst du bescheiden und wendest dich deiner schwerhörigen Untermieterin mit Kabanossimundgeruch zu. Zum Ausgleich für 50 Jahre Voyeurismus hinter dem Schrebergartenzaun und Diebstahl an deinem Apfelbaum, hat sich deine neugierige Nachbarin mit Maische willenlos gesoffen und zieht blank. Jetzt im direkten Vergleich sieht man, dass ihr Piratenbart echt ist. (Das wolltest du doch immer schon mal sehen.)

    Jeder Jeck is eben anners. Guter Anknüpfungspunkt: Transsexuelle aufgepasst: Wo über das restliche Jahr verteilt eine Ellbogengesellschaft eure zart besaiteten Seelchen klein trümmert, verspreche ich euch an den närrischen Tagen mindestens 20 besoffene Ellbogenspreizer, die euch mit Schminke und Klebebärten im Gesicht zum Dauerschunkeln vergewaltigen. Das gilt auch für Schwule, Lesben und Kleinwüchsige. (Das Zwergenkostüm passt keinem so hervorragend.) Selbst wenn du übergewichtige Fregatte im Fummel 350 Tage als Loser am Zebrastreifen übersehen wirst, staubst du zu diesem Anlass auf dem dörflichen Maskierwettbewerb die Magnumflasche Sekt ab, die eine Warteschlange von Narrenkappen vor dem Siegertreppchen kaum abwarten kann aus deinem Bauchnabel zu schlürfen.

    Karneval versetzt sozusagen Berge, ganze Inseln, ein geographisch-physikalisches Wunder sozusagen, denn Mallorca ist vom 11.11. bis zur Fastenwoche ein Loch im Mittelmeer, *SWOOSH* nach Deutschland gebeamt. Hölle, Hölle, Hölle!
    So kurz nur?! Mir geht ja fast der Schweiß aus! Puh, Mann, ist es gut zu wissen, dass ich mir den Rest vom Jahr mit umweltverschmutzenden Billigflügen mehrere Kurz“sauf“enthalte nach Malle leiste. Schließlich bin ich ja 365 Tage im Jahr lustig.

    1. Mein Freund, schreiben Sie immer so viel? Ich muss Sie aus Respekt einfach siezen.
      Sehr guter und böser Text, neben dem ich nur als drittklassiger Amateur daherkomme. War das ihr Ziel? Dann haben Sie es erreicht.
      Wo ist ihr Blog? Sind Sie Lohnschreiber? Wo kann ich mehr lesen?

  3. Karnevalshasserin schreibt:

    ICH HASSE KARNEVAL! ja, eine Kölnerin, hier geboren und aufgewachsen…alles miterlebt, doch von Jahr zu Jahr hasse ich diesen bekloppten Karneval immer mehr. Weil KEIN MENSCH mehr weiß, worum es im Karneval eigentlich WIRKLICH geht! Schaut euch um…überall besoffene Menschen, jeden Alters. Sie urinieren in jede Ecke, laufen mit ihrem Bier (oder was auch immer) ziellos durch die Gegend, drehen eine Runde nach der nächsten durch die Altstadt und fühlen sich dabei wie King Lui. Egal wo du hinschaust…überall wird nur rumgeprügelt oder rumgehurt! Das soll Karneval sein??? Es ist mir unverständlich wie Leute, das ganze Jahr über sparen, teilweise nicht mal in den Urlaub fahren, nur um Karneval zu „feiern“, bessergesagt zu VERSAUFEN! Das ist reines Komasaufen, mehr nicht. Die Frauen laufen rum wie 5 Cent Nutten aus dem Bordell und benehmen sich auch dementsprechend, die Männer glauben sie könnten jede Frau anfassen, auch die, die ein dickes Bärenkostüm anhaben..scheiß egal, Hauptsache fi***. Und danach sind die Arztpraxen voll! (arbeit beim Gynäkologen…unzählige Frauen wollen die Pille danach, machen Schwangerschaftstest, Aidstest…und dann ist das Geheule groß.Ich find es einfach nur WIDERLICH! Es geht einfach nur darum, wer mit wem in die Kiste steigt und wie viele man „abgeschleppt“ hat. Viele Beziehungen gehen kurz vor oder an Karneval kaputt… und warum? Wegen KARNEVAL…weil man da so schön rumhuren kann (egal jetzt ob Frau oder Mann). Kurz nach Karneval finden dann viele Paare wieder zueinander…man hatte ja „Narrenfreiheit“. Und die normalen Leute, die sich dennoch benehmen können, die nicht kurz vorm Koma sind, die noch geradeausgehen können und nicht an jede Wand pinkeln müssen, die müssen dauernd Angst davor haben, dass sie nicht blöd angemacht werden und dass sie keine Flasche an den Kopf bekommen. FEIERN sieht für mich echt anders aus! Karneval gehört ABGESCHAFFT!

    1. X Y schreibt:

      Hallo, Tamara,
      das klingt ja wirklich schrecklich. Da ich selbst natürlich Karnevalsveranstaltungen und Züge meide wie der Teufel das Weihwasser, sind mir deine Probleme noch gar nicht klar gewesen. Aber Du hast Recht. Dieses kollektive Besaufen finde ich auch ganz furchtbar. Vor Jahren, auf dem Fest meiner ehemaligen Universität ist es mir das erste Mal aufgefallen, dass Jugendliche die Gelegenheit nutzen, um sich vollkommen zu besaufen. Da hat man sie dann gesehen, mit dem billigen Kornflaschen von ALDI im Delirium. Grauenvoll.
      Aber ich habe gestern im Radio gehört, dass in Köln zum ersten Mal Glasflaschen und Gläser verboten wurden. Vielleicht wird es dann ein wenig weniger widerwertig.
      Überhaupt sind mir alle diktierten Feiern und Festlichkeiten, die nur noch dazu dienen, um Geld zu machen, in den letzten Jahren total unangenehm geworden, Weihnachten insbesondere. Und ich habe Weihnachten mal wirklich geliebt.

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