Zur Frankfurter Buchmesse: Zensierte Autoren in China

Chinas Zensoren haben die Autoren, die noch in China leben und dort publizieren fest im Griff. Aber mit ihren wirtschaftlichen Druck können sie sogar Zensurmaßnahmen auf der weltgrößten Buchmesse erwirken.

Die Schere im Kopf hält Einzug in deutsche Amtsstuben

Ein Schande, dass die Verantwortlichen in Frankfurt sich dazu genötigt fühlen, den Chinesischen Diktatoren den Arsch zu küssen. Na Klar, irgendwann wollen alle mal den neuen 1300-Seiten-Schätzing -Schmöker in Mandarin an 1 Milliarde potentielle Leser vergolden – natürlich nachdem eine kritikfreie und unverdächtige Version daraus gefiltert wurde.

„Wir wollen keine Leute in Frankfurt haben, die Chinas Einheit und Stabilität gefährden“, sagt Wu Shulin mit Nachdruck. Der Vizedirektor der chinesischen Regierungsbehörde GAPP (General Administration of Press and Publication) beruft sich auf die Verfassung. Die garantiere aber auch Meinungs- und Veröffentlichungsfreiheit, im Übrigen könne jeder Autor privat nach Frankfurt fahren, aber: „Das nationale Interesse kommt immer zuerst.“ [Handelsblatt, 04.10.2009]

Ein Presse- und Publikationsgesetz, das es Autoren und Verlagen erlaubt, ihre Rechte einzuklagen, gibt es nicht. Aber wen wundert das schon? Die zensierten Verlage müssen die Bücher auf eigene Kosten wieder vom Markt nehmen und einstampfen, wenn sie nicht von vornherein verboten werden.

So gelangen die Bücher nur über Taiwan oder Hongkong auf die Schwarzmärkte. Kopien von Kopien von Kopien werden weitergereicht wie früher zu DDR-Zeiten. Oder es wird gleich ins Internet ausgewichen. Publikation von zensierten chinesischen Autoren landen dann per E-Mail auf den Tischen der deutschsprachigen Verlagswelt.

Traurig zu lesen, dass im Jahre 2009 in einem Land wie Deutschland Zensurmaßnahmen wieder von verantwortlichen Stellen wie selbstverständlich akzeptiert werden; nach Geheimdiensten, Polizei und Innen-Ministerien nun auch in Kulturkreisen.

Hier mein Liste der in China zensierten Autoren. Wie es so schön heißt: nicht repräsentativ und natürlich nicht vollständig:

  • Yan Lianke: „Der Traum meines Großvaters“, 2007. In der 90er wurden in China hunderte Menschen durch versuchte Blutkonserven mit AIDS infiziert. Sie wurden Opfer schlampiger Kontrollen und korrupter Beamter. Natürlich wurde das Buch sofort verboten.
  • Liao Yiwu: „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“. Seine Bücher sind in China alle verboten. Ein aufschlussreiches Interview hat er kürzlich der taz gegeben.
  • Liu Xiaobo, Vorsitzende des unabhängigen PEN-Clubs in China, seit Dezember 2008 in Haft.
  • Zhu Wens: „I love Dollars“
  • Mian Mians: „Panda Sex“

Quellen/Links

Epochtimes

Amnesty International

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